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Kulturgut Flößerei

Wie in vorgeschichtlicher Zeit üblich wurden Flüsse als Handelsweg genutzt, hier um Waren aus den Alpenregionen und Italien bis an die Donau zu bringen. Die antiken Lastkähne waren schlichte Flöße, die neben dem dringend benötigten Holz und auch Kalk in späteren Zeiten (ab ca. 17. Jhdt.) auch Südfrüchte, Gewürze, Baumwolle und Seide bis nach Budapest beförderten. Die immer höhere Bedeutung der Flößerei zeigen die über 8.000 Flöße, die im 19.Jhdt. jährlich in München anlandeten. Stark genutzt wurden auch die Flüsse Loisach, Inn und Iller, über die die stromab liegenden Städte versorgt wurden.

 

Die ständig pendelnden Flöße wurden auch zum Warentransport und teilweise zur Personenbeförderung verwendet. Im Jahr 1501 wurden gemäß der "Summa- rische Extrakt und beschreybung der Khauf-Handels und Schefleuth im Lands Bayrn" folgende Güter transportiert: Pferdedecken, gebogenes Ebenholz, Käse, Papier, Schafwolle, Maultrommeln, Barchent (vom arabischen barrakan - "Stoff aus Kamelhaar"), gestrickte Hemden, Kreide, Schuhee, Kupferwasser, Fische, Wetzsteine, Schmalz, Hopfenstangen und auch Fässer mit und ohne Inhalt.

Bereits seit 1623 verkehrte ein Reisefloß auf der Isar - das "Ordinari-Floß". Es pendelte einmal wöchtentlich zwischen München und Wien, der Fahrpreis für einen Erwachsenen betrug drei Gulden, Kinder fuhren kostenlos. Sieben Tage dauerte die Reise bei Wind und Wetter. Die in Zünften organisierte Flößerei gab genaue Betriebsgrößen vor: so durften in Mittenwald 20 Floßmeister, in Tölz bis zu 24 ihrem Gewerbe nachgehen. Noch 1831 wurden in München 10 Meister verzeichnet. Erst 1904 trat das "Ordinari" seine letzte Reise an.

 

Die Flößerei war im Tölzer Land eine uralte Tradition und schon im 12.Jhdt. wurde es in alten Schriften erwähnt, eine alte Zunftfahne der Wolfratshauser Flößer datiert aus dem Jahr 1159, wo der Hl. Nikolaus als Beschützer dieser Zunft galt und gilt. Es war ein gefährlicher Beruf, das "Triften" (die Beförderung von Baumstämmen aus den Alpen ins Tal) und "Gantern" (das Stapeln der Stämme) forderte regelmäßig Opfer unter den Flößern.  

 

Die alte Tradition wird hochgehalten an den Ufern der Isar - und da der zweite heilige Beschützer der Flößer der Hl. Nepomuk  (auch als "Brückenheiliger" bekannt) ist, gibt es seit dem 19. Jhdt. das Fest der Johanni-Floßfahrten. Nach sehr langer Pause gibt es diese Floßwahlfahrt wieder alle drei Jahre. Sie führt von Wolfratshausen nach München-Thalkirchen. Heute ist die Flößerei ein beliebtes Event für Vereine und Firmen, die auf großen, bis zu 20 Tonnen schweren und 20m langen Flößen mit Bierfässern und Musikkapelle auf den Nebenkanälen der Isar nach München bis zur Floßlände in München fahren. Späte Ehre für einen ehemaligen Berufsstand: Die deutsche Unesco-Kommission hat die Flößerei auf eine Liste von 27 besonders bedeutenden und erhaltenswerten Kulturformen aufgenommen.


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