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Dunkle Zeiten in Tölz

Kupferstich der Stadt Tölz Tölz um 1644 - Kupferstich von Mathäus Merian

Das späte Mittelalter

Maximilian I. forderte während des Dreißigjährigen Krieges die ungeheure Summe von 3.000 Gulden für seine Kriegskasse, es wurden ab 1618 Tölzer und Benediktbeurer Männer in den Kriegsdienst gezwungen, vier Jahre später stieß dieses Heer bei Rain zu Tillys Armee, man eroberte dabei die Festung Heidelberg. Aber am 20. Mai 1632 standen die Schweden vor den Toren von Tölz, nachdem sie zuvor Wolfratshausen zerstört hatten. Sie forderten 600 Gulden von der Stadt, um sie vor der Brandschatzung zu bewahren. Da der Markt selbst dafür kein Geld hatte, bezahlten die Tölzer Bürger die Summe und bekamen dafür einen "Accordschein", der aber wertlos war - am nächsten Tag erklärten weitere schwedische Truppen dem Unterhändler und Pfleger Cäsar Crivelli, dass man 2.000 Gulden verlangte. Da so gut wie niemand mehr Geld hatte, ließen sich die Schweden mit 500 Gulden zufriedenstellen, doch auch diese Summe war zu hoch für das gebeutelte Städtchen. Worauf die Schweden vom heutigen Kalvarienberg aus den Markt mit Kanonen beschossen und an drei Stellen Feuer legten. Jetzt reichte es den Tölzern und sie zogen nach Lenggries um Hilfe zu holen. 200 Soldaten zogen daraufhin mit den Tölzer Bürgern zurück nach Tölz und "schlugen die Schweden todt". Crivelli bat die Kämpfer noch hierzubleiben und am 26. Mai schlug man bei Kirchbichl und Dietramszell die Eindringlinge endgültig vernichtend.

 

Aber vielleicht auch als Folge des Krieges zog ein noch schlimmerer Feind in den Markt ein: von 1633 bis 1634 raffte der "Schwarze Tod" wie in so vielen Städten Europas die Bürger in Scharen dahin und Tölz wurde nahezu entvölkert. Aber die überlebenden Bürger ließen sich nicht entmutigen, belebten den Handel erneut und zu dieser Zeit gab es bereits 22 Brauereien, die vor allem München und das umliegende Land bis hinein nach Tirol belieferten.

 

Erneut blockierten kriegerische Auseinandersetzungen die Entwicklung, als 1705 im Zuge des Spanischen Erbfolgekrieges kaiserlich-österreichische Truppen Bayern besetzten und daraufhin die "Kurbayrische Landesdefension des Oberlandes" und das "Tölzer Patent" (Beschluss zum Aufstand gegen die Besatzung) zum Widerstand aufriefen. Die kaiserlichen Truppen beendeten den Aufstand am 25. Dezember 1705 blutig, mehr als 2.000 Bauern aus allen Landesteilen wurden abgeschlachtet, die Rädelsführer Georg Kittler, Johann Georg Abele und der Tölzer Wirt Johannes Jäger aus dem Haus Höckh starben durch das Schwert. Ihre Leichname wurden gevierteilt und die sterblichen Reste Johannes Jägers an die vier Stadttore Münchens genagelt zur Schau gestellt.

Franz von der Trenck

Keine vierzig Jahre später wurde Tölz am 19. März 1742 von den Truppen der Panduren unter Franz von der Trenck erneut mit der Vernichtung bedroht. Die Verhandlungen mit dem Tölzer Bürgermeister Johann-Friedrich Höckh, sowie Franz Kyrein und dem Stifter der heutigen Kalvarienbergkapelle - Friedrich Nockher - waren aber erfolgreich und Friedr. Nockher bezahlte aus eigener Tasche dann mehrere hundert Gulden an die Panduren.

Da aber eine Gruppe Bauern unter ihrem Anführer, des "Bacherbauern" Joseph Heimreiter,  einen abziehenden Truppenteil überfiel und dabei Trencks Adjudanten Christian Gondola töteten, kehrte Trenck nach Tölz zurück und forderte die sofortige Auslieferung des Rädelsführers. Da man das aber verweigerte, brannten Trencks Soldaten 22 Bauernhöfe in der Umgebung nieder und töteten zehn Gaißacher Bauern. Erneut musste Friedrich Nockher und Johann-Friedrich Höckh mit dem wütenden Trenck verhandeln, der sich diesmal aber erst mit einer Summe von 2.000 Gulden von einer Brandschatzung des Ortes abbringen ließ. Man fasste dann auch den Bacherbauern und am 7. Juni des Jahres prügelte man ihn in München zu Tode. Heute erinnert an den finanzkräftigen Retter Friedrich Nockher die gleichnamige Straße, die parallel zur Marktstraße verläuft und in München die Kyreinstraße an den damaligen Mitstreiter.

Der gnadenlose Franz von der Trenck aber erlitt ein spätes Schicksal, als ihm nach dem Frieden von Füssen zwischen Österreich und Bayern wegen Insubordination, Gräueltaten und Ungehorsam der Prozess gemacht wurde. Während der Verhandlung griff er auch noch den Vorsitzenden Richter an und wurde zum Tode verurteilt. Kaiserin Maria Theresia begnadigte ihn zu lebenslanger Haft auf der Burg Spielberg bei Brünn, wo er nach nur einem Jahr Kerker krank wurde und am 4. Oktober 1749 starb.

 

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