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Bad Tölz bis heute

Die Neuzeit

Diese Epoche kurz vor der Jahrhundertwende begann 1796 mit dem Einmarsch französischer Truppen unter Jean-Victor Moreau, aber Kavalleriegeneral Albert von Pappenheim, der die Verteidigung des Marktes übernommen hatte, hielt stand.  Im Jahre 1808 erhielt Tölz dann die Municipalverfassung (administrative Gemeindestruktur), 1809 waren die Tölzer Schützen beim Kampf gegen die Tiroler beteiligt, die Tölzer Landwehr verteidigte Lenggries am 17. Juli 1809 erfolgreich und diese Erfolge waren so nachhaltig, dass potentielle Eroberer erst einmal die Finger von dem sehr wehrhaften Marktflecken ließen.

 

1861 eröffnete Tölz das neue, schlossähnliche Städtische Krankenhaus, das 1889 erweitert wurde, bis es 100 Jahre später durch ein modernes Kranken- haus, die Asklepios Stadtklinik, endgültig ersetzt wurde. Eine sehr wichtige Entdeckung macht der Drechslersohn Kaspar Riesch am Sauersberg - er entdeckte, dass sich waidwunde Wildtiere immer bevorzugt an bestimmten Quellen aufhielten. Er entnahm eine Wasserprobe und und der Tölzer Arzt Dr. Betz und Dr. Otto Sendtner aus München bestätigten der Probe außer-gewöhnliche Wasserqualität. Geschäftstüchtige Unternehmer wie Karl Herder und Dr. Gustav Höfler gründeten 1856 das "Krankenheil Tölz" als Jodschwefel- und Jodsodaminbad. Am 18. Mai 1860 erhielt Herder die Genehmigung zur Errichtung einer "Aktiengesellschaft der Jod-Soda-Schwefelquellen zu Krankenheil". Am 22. Juni 1899 wurde dem Ort dann der Titel "Bad" verliehen und die Bezeichnung "Krankenheil" verschwand.

Architekt von Seidl Gabriel von Seidl

Anfang des 20. Jahrhunderts belebte der bekannte Münchner Architekturprofessor Gabriel von Seidl das bis dahin etwas heruntergekommene Stadtbild und neue Fassadenmalereien und -umgestaltungen prägten das Stadtbild. Auch das Haus Höckh bekam eine völlig eigenständige, bemalte Fassade, die in den 50er Jahren dieses Jahrhunderts dann aber - leider - völlig neu übermalt wurde. Ein großer Meilenstein für Tölz war der 14. Oktober 1906, als Prinzregent Luitpold dem Markt das Stadtrecht verlieh. In dieser Zeit setzte ein ständig steigender Strom von Kurgästen und Besuchern ein, die "Stadt Bad  Tölz" war damals sozusagen "en vogue" und 1928 verzeichnete man schon mehr als 23.000 Kurgäste/Besucher und über 315.000 Übernachtungen. Vor allem aus Norddeutschland strömten die Besucher herbei, angelockt von der Aussicht auf einen gesundheitsfördernde Kuraufenthalt und die überwältigend schöne Umgebung der Stadt.

Stadtwappen Bad Tölz

Der Bau des Walchenseekraftwerks 1924 führte zu einem dramatisch sinkenden Pegelstand der Isar und das Flößereigeschäft erfuhr so einen stetigen Niedergang - der Bau des Sylvensteinspeichersees (1959 beendete Baumaßnahme) zähmte den einstmals wilden Fluß endgültig und die Flößerei war zum Spaßbetrieb geworden.

In Kriegszeiten erlebte Bad Tölz eine unrühmliche Bekanntheit durch die SS-Junkerschulen und die Einrichtung eines Außenlagers des KZ Dachau 1940. Diese beiden Einrichtungen waren bis kurz vor Kriegsende Ziel alliierter Bombengeschwader, die die Stadt in Schutt und Asche legen sollten - aber nur wenige Kilometer vor dem Ziel verhinderte eine dichte Wolkendecke und extrem starker Schneefall die Bombardierung. Als "Wunder von Tölz" bezeichnen Einheimische dieses Ereignis. Obwohl die SS-Division "Götz von Berlichingen" den anrückenden US-Truppen noch in den wirklich letzten Kriegstagen heftigen Widerstand lieferten, besetzten die Amerikaner am 1. Mai 1945 die Stadt. Die Junkerschule wurde von den US-Streitkräften im Anschluß übernommen und erst 1991 wurde die "Flint-Kaserne" aufgegeben, die US-Soldaten kehrten in die Heimat zurück. Nicht wenige aber sind in Tölz geblieben und haben sich hier in der neuen Heimat niedergelassen.

 

Ein Highlight der Stadt aber ist nach wie vor der 1956 gegründete "Tölzer Knabenchor", der weltweit Konzerte gibt und als Botschafter der Heimatstadt große Erfolge feiert. Vierzehn Jahre nach der Gründung dieses Chors eröffnete Tölz das "Alpamare" - Europas erstes rein privat finanziertes und betriebenes Spaß- und Erlebnisbad. Aufgrund der regionalen, starken Konkurrenz und der Schließung des angehörigen Hotels "Jodquellenhof" wurde das Bad Ende August 2015 geschlossen. Überregionale Aufmerksamkeit erreichte die Stadt durch die extrem erfolgreiche TV-Serie "Der Bulle von Tölz" mit Ottfried Fischer, Ruth Drexel und Katerina Jacob in den Hauptrollen - das Fernsehen hatte u.a. auch die Räume der Hauskapelle im Haus Höckh angemietet, die dem Prälaten Hinter als "Dienstwohnung" dienten. Bis heute ist Bad Tölz weit über die bayrischen Grenzen hinaus Publikumsmagnet für Besucher aus aller Welt geblieben.


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