Allgemein
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Geschichte der Stadt

Frühgeschichte

Um das Jahr 550 n.Chr. entstanden die ersten Siedlungen der später Bajuwaren genannten Ureinwohner auf dem Gebiet des Ried, dem heutigen Mühlfeld am östlichen Ufer der Isar. Diese Stämme sind mit größter Wahrscheinlichkeit aus dem heutigen Böhmen zugewandert - die Forschung streitet sich aber nach wie vor um die wahren Wurzeln der "Boiern", da im südlichen Landesteil wohl ein Völkergemisch die fruchtbaren Ebenen im Alpenvorland bewohnte.

Etwa 100 Jahre später christianisierte Rupert von Salzburg die heidnischen und starrköpfigen Bewohner des Ried und errichtete das Babisterium St. Michael, das unter dem Namen Reginried bekannt war, kurze Zeit später aber von ungarischen Reitern zerstört wurde. Ein neues Dorf entstand, das "Gries" am Isarufer - hier siedelten sich Flößer, Kalkbrenner und Handwerker wie Schmiede und Wagner an, die mit ihren Geschäften von den Handlungsreisenden der Salzstraße profitierten. Ab etwa 800 n.Chr. entstanden viele Wetzstein- und Sägemühlen am Ellbach, worauf sich der Name Mühlfeld bezieht.

Bischof Rupert Rupert von Salzburg

Tölz wurde erstmalig 1155 urkundlich erwähnt: "Tolnze" wurde es genannt, wobei der Name auf Hainricus de Tolnze zurückzuführen ist, der angeblich aus dem Ort Pressath/Oberpfalz stammte, dem heutigen Döllnitz. Heinrich von Tollenz, wie er auch hieß, wurde sowohl in alten Urkunden von 1198 und 1202 als "Dominus Tolnzar de Hohenburc" erwähnt. Er heiratete um 1180 Irmingard von Hohenburg, die mit ihrem Vater Gebhard auf der Hohenburg in Lenggries lebte. Bekannt wurde Heinrich als herzoglicher Lehensträger, der häufig an Reichs- und Landtagen teilnahm. Im gleichen Jahr errichtete er auf dem Grund der heutigen Stadtpfarrkirche die erste Tölzer Burg, daneben die 1262 urkundlich erwähnte "Kapella Tolnze". 1871 wurde diese Geschichte der Gründung durch Georg Westermayer widerlegt. Er behauptet, die Ursprünge gingen auf eine römische Siedlung namens "Tollentium" zurück. Dass es bereits zu Römerzeiten Siedlungen in der Nähe von Gaissach gab, ist unbestritten (Koronafeld bei Gaissach), aber ob dies die Geburtsstunde des heutigen Bad Tölz ist, bleibt ungeklärt. Streitpunkt ist auch die Herkunft des Hainricus de Tolnze, lt. Westermayer stammt der aus dem nahen Schäftlarn, was eine Erwähnung in einer Urkunde des Klosters von 1182 beweisen soll, die einen Edlen Tolnzar mit seinen Rittern beschreibt. Echte Oberländler neigen natürlich eher dieser Version zu, da Hainricus dann zumindest ein echter Einheimischer und kein "Zuagroaster" gewesen wäre. Immerhin fand er sich nachweislich auch bei Ludwig dem Bayern ein, Kaiser Heinrich IV. bezeichnete ihn als "oberbayerischen Ritter".

Ludwig I. gab ihm den Auftrag zur völligen Erschließung des Isarwinkels, wobei die beiden Siedlungskerne an Gries und Mühlfeld zusammenwuchsen und durch einen Sämerpfad verbunden wurden: der heutigen Marktstraße, die ihren Namen erst 1684 erhielt, als Tölz ein staatliches Salzamt erhielt. Die Viertel "Gries" und "Mühlfeld" sind bis heute namentlich erhalten. Um 1200 entstand bereits die erste Brücke über die Isar, etwa 100m flußaufwärts der heutigen Brücke gelegen, wo sie die heutige Römergasse mit dem anderen Ufer verband. Da sie aus Holz bestand, musste sie wegen der häufigen Schäden durch das Hochwasser alle sechs bis acht Jahre erneuert werden.

In der Folgezeit wurde die Ansiedlung immer wieder zu einem Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen wie schon anno 1245 aufgrund der Fehde zwischen Herzog Otto II. und Otto von Meranien. Weitere Kämpfe entbrannten 1301 zwischen Konrad von Egling zu Hohenburg und Phillipp von Waldeck, die beide Güter im Isarwinkel besaßen. Zu dieser Zeit wurde Tölz und Umgebung von Herzog Rudolph wegen akuter Geldknappheit an Freising verpachtet. Aber die anwachsende Zahl von Ansiedlern, die verkehrsgünstige Lage und die aufkommende Flößerei brachten Geld in die Gemeinde und schon 1374 wurde Tölz das "Sigillum Civium in Tollentze" verliehen, das bis heute in den Grundzügen das Tölzer Stadtwappen darstellt. Der Wohlstand zog ein in den immer noch kleinen Markt.

 

Die Einwohner bauten entlang der heutigen Marktstraße ihre Häuser - eng an eng und leider völlig aus Holz: 1453 fing eines der Gebäude Feuer, das rasch auf die umliegenden Häuser übersprang und in einer gewaltigen Feuersbrunst versank Tölz in Schutt und Asche. Die Tölzer Bürger hatten aus der Lektion gelernt und bauten ihre Häuser nun aus den Steinen der nahegelegenen Isar - wie im damals ebenfalls neu erstandenen Höckhen-Haus mit Mauern bis über 1m Dicke, unzerstörbar sollten die Gebäude sein und sie stehen auch noch heute auf den alten Grundmauern. Herzog Albrecht III., der durch seine Liason mit Agnes Bernauer bekannt wurde, half den Bürgern mit großzügigen Zuwendungen und um 1460 entstand eine neue Burg. 1476 bereits begann in Tölz die Biersiederei, immerhin 40 Jahre vor dem Erlass des bayerischen Reinheitsgebotes.

 

Es war wohl zu lange Frieden und 1492 gaben die Herzöge Wolfgang und Christoph ihren Söldnern die Weisung, den Ort zu plündern. Sie beriefen sich auf Albrecht IV., der ihnen nach ihrer Meinung zu wenig Geld für ihren Thronverzicht gegeben hatte.

 

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